Alter Bridge live im Zenith München
Review

Alter Bridge · Halestorm · Mammoth WVH

Zenith München · 22.11.2022

Ein Abend wie dieser hätte eine ausverkaufte Halle verdient gehabt. Wer es an diesem Novemberabend trotzdem vom Sofa ins Zenith geschafft hatte, wurde mit einer starken Mischung aus drei spielfreudigen Bands belohnt - handgemachter Rock, wie er sein soll.

Mammoth WVH - der neue Stern

Den Anfang machte um 19 Uhr Wolfgang Van Halen, Sohn der Rocklegende Eddie, mit seiner Band Mammoth WVH. Der Empfang war herzlich, und spätestens nach ein paar Minuten verstand man, warum ihn Lzzy Hale als "the nicest guy I ever toured with" bezeichnet. Die fünfköpfige Truppe lieferte eine spannende Mischung aus Hard Rock, Metal und Alternative - selbst Grunge-Fans kamen auf ihre Kosten. Nach rund 30 Minuten war das Zenith warmgespielt und bereit für Halestorm.

Mammoth WVH als Opener
Mammoth WVH um Wolfgang Van Halen eröffneten den Abend

Halestorm - Naturgewalt Lzzy Hale

Die vier US-Amerikaner von Halestorm rund um Frontfrau Lzzy Hale überrollten das Publikum in unnachahmlicher Manier. Vom ersten Song an war die Power mit voller Wucht spürbar, und selbst in ruhigeren Momenten war ihre unbändige Energie greifbar. Bemerkenswert: Schon bei den Support-Acts war der Sound im notorisch schwer zu beschallenden Zenith erstklassig. Krachende Gitarren, wuchtige Bässe, druckvolle Drums - und über allem thronte Lzzys Stimme.

Krachende Gitarren, brutale Bässe und Drums - und über allem die Stimme von Lzzy. Top Arbeit der Technik-Crew.

Neun Songs und ein Drum-Solo später verabschiedete sich Halestorm unter fettem Applaus. Jetzt war die Halle heiß auf den Headliner.

Lzzy Hale von Halestorm Halestorm live

Alter Bridge - organisch und musikalisch

Gegen halb zehn startete das Intro, und mit "Silver Tongue" erklang der erste Kracher - zugleich die zweite Single des aktuellen, der Tour den Namen gebenden Albums "Pawns & Kings". Schon hier sah man, mit welcher Spiellaune Scott Phillips, Brian Marshall, Mark Tremonti und Myles Kennedy nach fast 20 Jahren Bandgeschichte auf der Bühne stehen.

Neben "This Is War" und dem Titeltrack "Pawns & Kings" bestand das 16 Songs lange Set aus einem Querschnitt der Bandgeschichte. Klassiker wie "Broken Wings", "Blackbird" und "Metalingus" durften natürlich nicht fehlen, dazu eine überragende Akustikversion von "In Loving Memory". Myles Kennedy plauderte zwischendurch mit dem Publikum, fragte, wie oft Alter Bridge eigentlich schon in München gespielt hätten, und freute sich sichtlich, wieder "in your beautiful country" zu sein.

Nach den Zugaben "Cry of Achilles" und der allerersten Alter-Bridge-Single "Open Your Eyes" war Schluss - und auf dem Weg zum Ausgang sah man viele glückliche Gesichter. Waren manche Alter-Bridge-Konzerte früher schon mal sehr technisch und klinisch, war es diesmal absolut organisch und musikalisch.

Setlist Alter Bridge

  1. Silver Tongue
  2. Addicted to Pain
  3. Before Tomorrow Comes
  4. This Is War
  5. Broken Wings
  6. Wouldn't You Rather
  7. Isolation
  8. Waters Rising
  9. Pawns & Kings
  10. My Champion
  11. Metalingus
  12. In Loving Memory (Akustik)
  13. Blackbird
  14. Rise Today
Zugaben: Cry of Achilles · Open Your Eyes

Drei sehr unterschiedliche, aber doch verwandte Bands, denen das Livespielen noch spürbar am Herzen liegt - und das für unter 60 Euro. Gut investiertes Geld, ganz nach dem Motto: There is only one better thing than music - live music.

Die Bilder des Abends

Robert Zollner
Robert Zollner Konzertfotograf, Bassist und Betreiber von Rock'n'Pics. Fotografiert und schreibt über Rock, Punk, Metal und Alternative.