Musa Dagh Foto: Olaf Gallas
Interview + Vorbericht

Das vierte Instrument

Safi über ihren Einstand bei Musa Dagh, zwei Sprachen und das Album „Endurance"

Musa Dagh · Backstage München · 11.09.2026

Kennengelernt habe ich Safi im Herbst letzten Jahres, als Vorband von Refused in München. Es war einer dieser Abende, an denen sofort klar ist, dass da gerade etwas Besonderes passiert, und ich war auf Anhieb begeistert.

Ich habe ihr das damals geschrieben und gesagt, dass ich sie gern einmal fotografieren würde. Dass sich das jetzt ausgerechnet über Musa Dagh ergibt, hat eine schöne Logik: entdeckt über ihr eigenes Ding, wiedergetroffen in einer ganz anderen Konstellation.

Denn seit knapp zwei Jahren ist die Berliner Musikerin Teil von Musa Dagh, jener Band um Gitarrist Aren Emirze, die auf ihren ersten beiden Alben weitgehend ohne echtes Bassfundament auskam. Am 11. September erscheint mit „Endurance" das erste Album mit Safi, und am selben Abend spielt die Band im Münchner Backstage. Die Vorab-Singles „Hollow Rooms", „Beggars Banquet" und „Lights Of the Shadows" haben mich sofort erwischt, genau dort, wo ihre Stimme auf Arens Riffs trifft.

„Beggars Banquet" - das Video

Musa Dagh - Beggars Banquet
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Die folgenden Antworten kamen schriftlich, in Ruhe formuliert. Das passt zu einer Künstlerin, die mit Sprache ausgesprochen genau umgeht, und es macht ihre Bilder eher präziser als ein hektisches Gespräch zwischen Soundcheck und Bühne.

„Teil der Band, nicht jemand in der Band"

Der Weg in die Band führte über den gemeinsamen Produzenten Moses Schneider.

„Ich kannte Musa Dagh schon seit der ersten Platte, natürlich über unser beider Krach-Produzent Moses Schneider. Ich war Fan der Konstellation, der Energie und Musikalität! Aydo kannte ich als tollen Kollegen schon länger, wir haben ein paar Sachen zusammen gemacht. Für mich kam der Vorschlag trotzdem aus dem Nichts. Aren fragte Moses fragte mich. So kamen wir zusammen."

Ihre Position in dieser Konstellation beschreibt Safi mit einem Bild, das den Ton für alles Weitere setzt.

„Ich muss immer an die Autobiographie von Kim Gordon denken, ‚Girl in a Band', über ihre Zeit bei Sonic Youth und wie sie sich als Frau, Sängerin und Bassistin mittendrin fühlte. Das Wort ‚Bewaffnung' kam darin vor, im Kontext des von Männern geprägten Rock'n'Roll. Nach fast zwei Jahren Arbeit zusammen mit zwei krassen Musikern und Moses fühle ich mich als Teil der Band und nicht als jemand IN der Band. Und es gibt immer noch viele erste Momente. Ich sammle sie alle und genieße jeden."

An einen dieser ersten Momente erinnert sich Safi sogar über einen Songtitel: Der erste Song der ersten gemeinsamen Probe hieß „One Way or the Other".

Der Bass als Nach-Hause-Kommen

Dass Safi bei Musa Dagh überhaupt zum Bass griff, geht auf eine Anregung von Moses Schneider im Proberaum zurück, nicht auf einen eigenen Plan. Eine fremde Rolle war das trotzdem nicht.

„Als ich angefangen habe, in Bands zu spielen, war ich zuerst Stimme plus Bass. Später, mit meinen eigenen Songs, bin ich auf E-Gitarre umgestiegen, weil ich so besser schreiben und im Zweifel auch erstmal alleine auftreten konnte, bis später meine Band hinzukam. Der Vorschlag von Moses, Bass zu spielen, war deshalb wie ein Nach-Hause-Kommen. Punktlandung!"

Spannend wird es bei der Frage, wie Bass und Gesang zusammenfinden. Denn Safi entscheidet sich nicht zwischen einer eigenständigen Basslinie und einer kompromisslosen Gesangslinie, sondern schichtet beides übereinander.

„Hier gab es kein Entscheiden. Ich habe mir für die Live-Studio-Aufnahmen zuerst den Bass überlegt. Das war interessant, weil die Songs bereits fertig aus Gitarre und Drums bestanden, als ich dazukam. Hier war die Frage, wie bringe ich einen Bass ein, der trägt und trotzdem sehr eigenständig ist? Nach den Aufnahmen habe ich dann gemeinsam mit Aren die Gesänge entwickelt, diese bei mir im Proberaum aufgenommen und mir Background-Stimmen und andere Fills überlegt. Für mich kamen dann zum Schluss beim Üben beide Gewichte zusammen, mit der Herausforderung, beides gleichzeitig abzurufen. Einfach brutal üben :)"
Musa Dagh, Safi im Zentrum
Foto: Steph von Beauvais

Zwei Sprachen, zwei Körper

Bei Musa Dagh singt Safi auf Englisch - und das ist weit mehr als eine Übersetzung.

„Von Deutsch auf Englisch umzuschwenken, ändert die gesamte Körperspannung. Andere Sprache, anderer Körper. Einmal habe ich zu Moses gesagt, dass das Englisch-Singen für mich ist, als hätte ich Flügel bekommen. Die Wortendungen sind im Englischen oft Vokale oder nur verschluckte Konsonanten. Das macht, dass der Hals, der Resonanzraum größer wird. Herrlich!"

Dass im Soloprojekt SAFI bewusst auf Deutsch gesungen wird, ist kein Widerspruch, sondern die andere Seite derselben Medaille.

„Ebenso schätze ich das Singen in Deutsch. Weil es eine Herausforderung ist, weil die Sprache so hart ist. Konsonanten an den Enden, Zischlaute und andere noisige Phrasierungs-Einladungen. Für mich als SAFI finde ich es sehr wichtig, Deutsch zu singen, weil die Texte hier im Vordergrund stehen und das, was ich sage, politische und sozialkritische Dinge sind, kompliziert genug, und deshalb mit Fingerspitzengefühl lyrisch verpackt werden möchten. Die englischen Texte bei Musa Dagh kann man verstehen oder auch nicht. Stimme und Sprache sind hier das vierte Instrument."
Stimme und Sprache sind hier das vierte Instrument.

Wie das erste eigene Konzert

Am 11. September, dem Erscheinungstag von „Endurance", spielt die Band im Münchner Backstage. Ich werde an diesem Abend mit der Kamera dabei sein - und auch für Safi ist es in gewisser Weise eine Premiere.

„Ich freue mich am meisten darauf, wovor ich auch am meisten Respekt habe: Wie es sich anfühlt, die Songs mit dem Publikum gemeinsam zu erleben. Ich freue mich darauf, als ob ich zu meinem ersten Musa-Dagh-Konzert gehen würde!"

Bleibt eine letzte, bewusst leichte Frage: nach der kuriosesten Klangquelle, aus der Safi je Musik gemacht hat. Die Antwort passt perfekt zu einer Musikerin, die mit präparierten Instrumenten und zweckentfremdeten Fundstücken arbeitet.

„Die Signal-Melodie meiner Waschmaschine, wenn sie fertig ist."

Musa Dagh live & Album

Album „Endurance" - VÖ 11. September 2026

Live: 11.09.2026, Backstage München

Presave: musadagh.ffm.to/endurance

Tour & Tickets: linktr.ee/musa.dagh

Endurance Tour 2026

10.09. Köln - MTC
11.09. München - Backstage
12.09. Frankfurt - Das Bett
24.09. Düsseldorf - Ratinger Hof
25.09. Hamburg - Hafenklang
26.09. Berlin - Badehaus
22.10. Karlsruhe - Stadtmitte
23.10. Oberentfelden - Böröm
24.10. Ulm - Roxy
29.10. Göttingen - MUSA
30.10. Hannover - Lux
31.10. Kiel - Schaubude

Bilder vom Konzert am 11. September folgen an dieser Stelle nach der Show.

Robert Zollner
Robert Zollner Konzertfotograf, Bassist und Betreiber von Rock'n'Pics. Fotografiert und schreibt über Rock, Punk, Metal und Alternative.