Wer am Freitagabend noch einen Platz mit freier Sicht suchte, hatte Pech: Die Backstage Halle war brechend voll, als Tanzwut am 23. Oktober nach München kamen. Sieben Wochen nach dem Release von „Herz aus Stein“ stand die Band um Sänger Teufel wieder auf einer Münchner Bühne, und das Publikum war vom ersten Ton an da.
Sagenbringer: Folk Metal zum Aufwärmen
Den Abend eröffneten Sagenbringer. Das Publikum ging bei ihrem Folk Metal sichtlich mit und feierte die Band ausgiebig. Für herzliches Gelächter sorgte der Hinweis, man sei im Frühjahr ja wieder in der Nähe, nämlich in Bamberg. Für Münchner Verhältnisse eine durchaus großzügige Auslegung von „in der Nähe“.
Tanzwut: Dudelsack, Druck und Gänsehaut
Dann gehörte die Bühne Tanzwut. Dudelsäcke, harte Gitarren und elektronische Elemente, dazu Teufel mit Hörnern und rotem Make-up: Die Mischung, die die Band seit 1997 ausmacht, funktionierte auch an diesem Abend. Der Sound war sehr gut abgemischt, und das Licht holte aus der vergleichsweise kleinen Halle erstaunlich viel heraus. Viel Rot, dazu scharfe weiße Strahlen durch den Nebel, perfekt für eine Band, die von ihrer Inszenierung lebt.
Der bewegendste Moment kam bei „Noch eine Flasche Wein“. Da wurde nicht nur mitgesungen, im sehr treuen Publikum flossen auch Tränen. Spätestens hier war klar, dass Tanzwut für viele im Saal weit mehr sind als eine Band, die man sich eben mal anschaut.
Von 10 bis 79
Am meisten überrascht hat mich das Publikum selbst: Von etwa 10 bis 79 Jahren war wirklich jede Altersgruppe vertreten. Mittelalter-Rock verbindet offenbar Generationen, und zwar nicht nur auf dem Papier. Alle feierten gemeinsam, ohne dass irgendjemand fehl am Platz wirkte.
Fazit: ein voller Saal, eine Band in Bestform und ein Publikum, das man sich als Musiker nur wünschen kann. Tanzwut haben in München gezeigt, warum sie nach fast drei Jahrzehnten noch immer Hallen füllen.
